×

Welttag der Suizidprävention

TelefonSeelsorge erinnert am Welttag der Suizidprävention an ihre Wurzeln

Suizide verhindern bleibt zentrales Anliegen

Die TelefonSeelsorge nimmt den Welttag der Suizidprävention zum Anlass, um auf die Bedeutung ihres deutschlandweiten Unterstützungsangebots bei seelischen Krisen hinzuweisen. Suizide nach Möglichkeit zu verhindern war weltweit das zentrale Anliegen bei der Gründung telefonischer Krisen-Anlaufstellen, auch bei der Gründung in Deutschland vor 65 Jahren.

Wortbrücke von Achim Ripperger

„Bevor Sie sich das Leben nehmen, rufen Sie mich an“ – diesen Anzeigentext hat ein englischer Pfarrer nach dem zweiten Weltkrieg in die Zeitung gesetzt haben zusammen mit seiner privaten Telefonnummer. Die Geschichte zeigt, worum es ging und geht: Menschen ein Angebot zu machen, die sich in einer aus ihrer Sicht ausweglosen und verzweifelten Lage befinden.

„Suizidprävention ist und bleibt unser Kernanliegen“, erklärt Michael Hillenkamp, einer der beiden Vorsitzenden des Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge. „Sie ist ein Hauptgrund dafür, dass wir unseren Dienst rund um die Uhr anbieten und sie ist zentrales Thema bei der Ausbildung unserer ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater.“

Das statistische Bundesamt weist für 2019 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) die weltweite Suizidrate mit über 700.000 Opfern aus. In Deutschland lag die Zahl bei über 9.000 Menschen. Das seien rund dreimal mehr als durch Verkehrsunfälle Gestorbene.

„Nicht jeder Anruf, den wir bekommen, handelt von Suizid“, sagt Michael Hillenkamp. „Aber jeder Mensch, der keinen anderen Ausweg sieht, als sich das Leben zu nehmen, ist einer zuviel. Dabei muss man wissen: Niemand bringt sich gerne um – Suizid ist die subjektive, von Verzweiflung geprägte Überzeugung, dass es keinen anderen Weg mehr gibt.“

Die TelefonSeelsorge bietet neben ihren rund um die Uhr besetzten Telefonnummern auch Beratung per Chat und Mail an. „Gerade hier und damit vor allem von unseren jüngeren Kontaktpersonen wird das Thema Suizidalität weitaus häufiger angesprochen als am Telefon. Das macht die Chat- und Mail-Beratung zu einer besonderen Herausforderung“, erläutert Birgit Knatz, Leiterin der TelefonSeelsorge-Stelle Hagen-Mark. Sie hat die Online-Dienste der TelefonSeelsorge mit aufgebaut. Die Herausforderung sei es, in einer solchen Notlage das Gegenüber überhaupt zu erreichen und soweit zu stabilisieren, dass Alternativen wieder denkbar werden. „Genau dafür sind unsere Ehrenamtlichen ausgebildet“, so Michael Hillenkamp.

„Wir haben natürlich keine Zahlen darüber, wie vielen Menschen wir in einer suizidalen Krise wirklich helfen konnten“, sagt Birgit Knatz. „Aber wir glauben, dass wir einen wichtigen Beitrag zur Suizidprävention leisten.“

TelefonsSeelsorge Deutschland

Ressourcen entdecken – bei mir und anderen

 

Ressourcen spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von alltäglichen und besonderen Anforderungen bzw. Lebensaufgaben. Die Ehrenamtlichen der TSOW haben sich einen Samstag lang zu diesem Thema fortgebildet.

Am Anfang stand die Frage: Was sind eigentlich Ressourcen?

Letztlich alles was von einer bestimmten Person in einer bestimmten Situation wertgeschätzt und/oder als hilfreich erlebt wird, kann als eine Ressource betrachtet werden“, gab Uwe Michalak, Referent des Fortbildungstages eine Definition.

In seinem Eingangsimpuls erläuterte Michalak Grundannahmen einer ressourcenorientierten Haltung:

  • Jede*r Anrufer*in verfügt über Ressourcen, um Herausforderungen zu bewältigen.
  • Ressourcen sind subjektive und kontextbezogene Herstellungsleistungen.
  • Ressourcen sind mit Unterstützung wiederbelebbar, konstruierbar, aktivierbar.
  • Ressourcenorientierung geht mit dem Generieren von Selbstwirksamkeitserfahrungen
  • Ressourcen sind Werkzeuge.

Mit Hilfe von Praxisdemonstrationen, Übungen und Kleingruppenarbeit wurde das Thema vertieft. Dabei konnten die Ehrenamtlichen ihre eigenen Kraftquellen besser kennenlernen. Weiter wurde ein auf Ressourcen gerichteter Blickwinkel für die Gespräche am Telefon eingeübt.

„Ein rundum gelungener Tag, der meinen Blick für die Kraftquellen und Stärken gestärkt hat.“ „Es hat gut getan, nicht nur auf Probleme zu schauen, sondern Kompetenzen und Fähigkeiten in den Blick zu nehmen“, äußerten sich TeilnehmerInnen am Ende der Fortbildung zufrieden.

Freude über Preisverleihung

 

Ehrenpreis der Stadt Bad Oeynhausen an Ehrenamtliche der TSOW verliehen

Am 1. September 2021 hat Bürgermeister Bökenkröger den Ehrenpreis für bürgerschaftliches Engagement der Stadt Bad Oeynhausen an die Ehrenamtlichen der TelefonSeelsorge Ostwestfalen und die Trauerbegleitung Lacrima verliehen. „Ehrenamtliche sind ein Rückgrat der Gesellschaft“, würdigte der Bürgermeister das Engagement.

Diese Auszeichnung und damit verbunden die Wahrnehmung des ehrenamtlichen Engagements von öffentlicher Seite freut uns sehr. Oftmals ist nur dem engsten Familien- und Freundeskreis der einzelnen Mitarbeitenden ihr Engagement in der TelefonSeelsorge bekannt. Somit erfährt eine Arbeit sichtbare Anerkennung, die in der Regel anonym und im Verborgenen geschieht.

Wie in allen Bereichen war auch unsere Arbeit in den letzten anderthalb Jahren durch die Pandemie geprägt. Wir sind dankbar, dass wir auch im Lockdown den Dienst am Telefon aufrechterhalten konnten und in 2020 mehr als 9000 Gespräche führen konnten.

Die Monate der sozialen Isolation haben gezeigt, dass das niedrigschwellige Angebot der TS von Relevanz ist. Durch die notwendige Einschränkung in den sozialen Kontakten haben für viele Menschen Möglichkeiten der Ansprache und Regulation von Gefühlen gefehlt und sie haben die Angebote der TS gern genutzt.

Die Ehrenamtlichen haben ihre Aufgabe in dieser Zeit trotz eigener Belastungen als besonders sinnvoll erlebt und ihr Engagement sehr ernst genommen.

Dass dies gesehen und durch die Stadt Bad Oeynhausen gewürdigt und mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet wird, freut die Ehrenamtlichen und stärkt sie für ihren weiteren Einsatz. Stellvertretend für alle Ehrenamtlichen haben die Sprecherin der Ehrenamtlichen und eine Ehrenamtliche aus Bad Oeynhausen den Preis entgegengenommen.

Präsentation der Sonderbriefmarke TelefonSeelsorge in Berlin

 

Bundesministerium der Finanzen würdigt Engagement an den Nächsten

Bei einem pandemiebedingt kleinen Festakt in den Räumen der Diakonie Deutschland wurde die Sonderbriefmarke zu Ehren der TelefonSeelsorge präsentiert. Erstverkaufstag für die 80-Cent-Briefmarke ist der 2. September.

„Wir freuen uns sehr, denn das ist ein Zeichen, dass unsere Arbeit für die Menschen von Politik und Gesellschaft wahrgenommen und anerkannt wird“, sagt Pfarrer Frank Ertel, gemeinsam mit dem Pastoraltheologen Michael Hillenkamp Vorsitzender des Leitungsgremiums der TelefonSeelsorge. „Die Briefmarke ist ästhetisch gelungen – und sie beinhaltet nicht nur unsere Rufnummer, sondern auch unser Online-Angebot. Gerade damit erreichen wir in der Pandemie die in vieler Hinsicht besonders betroffenen jungen Menschen.“ So sei etwa der Anteil männlicher 15- bis 19-Jähriger an den Mail- und Chatkontakten gegenüber der Zeit vor der Pandemie um 90 Prozent gestiegen.

Die Präsentation der Briefmarke fand in den Räumen der Diakonie Deutschland statt. Diakonie-Finanzvorstand Dr. Jörg Kruttschnitt begrüßte die Anwesenden, allen voran Staatssekretär Dr. Rolf Bösinger, Bundesministerium der Finanzen. Durch die Briefmarke werde TelefonSeelsorge sichtbar – und damit für weitere Menschen als Angebot erfahrbar.

Staatssekretär Dr. Bösinger überbrachte Grüße des Bundesfinanzministers Olaf Scholz. Auch er betonte die Bedeutung der TelefonSeelsorge in Corona-Zeiten. Für viele Menschen sei gerade jetzt die Unterstützung durch Außenstehende wichtig geworden. „Da es sich um eine 80-Cent-Marke handelt, also um das Standardbrief-Wertzeichen, ist sichergestellt, dass diese Marke mit ihrer Botschaft wirklich sehr breit wahrgenommen wird. Sie wird am 2. September in einer Auflage von knapp 3,4 Millionen Exemplaren in die Verkaufsstellen der Deutschen Post AG kommen.“

Für die rund 50 Sonderpostwertzeichen, die jährlich herausgegeben werden, gibt es jeweils mehrere Hundert Themenbewerbungen. Die Auswahl obliegt einem Programmbeirat, über die grafische Qualität der Umsetzung des Themas entscheidet ein Kunstbeirat. Etwa 100 Grafikerinnen und Grafiker stehen für die Umsetzung der Motive zur Verfügung, jeweils sechs bis acht von ihnen erstellen zu einem Thema Entwürfe, unter denen dann die Entscheidung fällt. Die Sonderbriefmarke „TelefonSeelsorge“ gestaltete die Nürnberger Grafikerin Elisabeth Hau.

In seiner Dankesrede würdigte Oberkirchenrat Joachim Ochel, Theologischer Referent beim Bevollmächtigten des Rates der EKD, nicht nur die gelungene Gestaltung und die Wertschätzung des Ministers, sondern auch die unkomplizierte und pragmatische Zusammenarbeit zwischen Ministerium und kirchlicher Institution.

Text: Ulrike Mai, Pressestelle TelefonSeelsorge Deutschland

– das gedankliche Immunsystem stärken

Der zweite Sommer mit Corona – Gott sei Dank sind die Infektionszahlen niedrig im Moment und wir können uns im Garten der TS treffen. Endlich mal wieder in einer etwas größeren Gruppe.

Trotzdem bleibt die Unsicherheit: Was wird der Herbst wohl bringen? Wenn all die Reisenden zurückkehren, die Schulen wieder an den Start gehen. Wie wird sich die Delta-Mutante auswirken und wie viele Mutanten lauern noch? Sicher: Der Impfstoff wird zur Verbesserung der Lage beitragen. Er wird gegen das Virus ankommen, davon ist die Wissenschaft überzeugt. Trotzdem: Wir werden noch eine ganze Weile mit dem Virus leben müssen.

Ich fürchte: Die Sorgen gehen nicht so einfach weg. Ich brauche nicht nur etwas, das mein körperliches Immunsystem aktiviert und stärkt. Ich brauche auch Stärkung für mein gedankliches, mein seelisches Immunsystem.

 Die Seele gegen Sorgen und Ängste zu stärken und zu schützen: Das ist gar nicht so leicht, auch wenn es sich manchmal so anhört: positiv denken!

Natürlich soll all das Schlimme, das war, nicht vergessen werden. Aber ich kann – jetzt wo es etwas Entspannung gibt – den inneren Kompass neu ausrichten. Weg von den Sorgen und Ängsten hin zu den Hoffnungen und Möglichkeiten.

Eine verblüffend einfache Methode, meine seelische Immunabwehr zu stärken und mich gegen negative Gedanken zu „impfen“, ist: Etwas Gutes für den Körper tun. Schon die Heilige Theresa von Avila weiß das: „Tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Allein schon das ruhige Atemholen fegt einen Großteil negativer Gedanken aus meinem Kopf. Und wenn das noch draußen an der frischen Luft geschieht, hab ich das Gefühl: Da ändert sich etwas, der Blick weitet sich, und ich kann auch wieder das sehen, was gerade gut ist.

Ein anderer wohltuender Gedanken-Impfstoff ist für mich das Eintauchen in fremde Welten: Wenn ich zum Beispiel einen fesselnden Film schaue oder einen guten Roman lese, bin ich für eine Weile in einer anderen Welt. Da reicht schon ein guter Krimi, der an der Algarve spielt und ich sehe die Landschaft und das wunderbare Azur vor mir.

Eine weitere wichtige Stärkung findet sich auch in meinem Bücherregal. Mir sind viele Gedanken und Worte der Bibel vertraut und wenn ich sie mir vergegenwärtige, tut mir das gut. Für eine bestimmte Zeit begleiten mich einzelne Abschnitte oder Verse. Immer wieder ein Vers aus dem Johannesevangelium: „In der Welt habt ihr Angst aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Dieser Satz steht auf einer Karte, die ich immer mal wieder in der Wohnung aufstelle. Dann überlege ich, wie mir der Satz jetzt helfen, mich trösten oder mir eine Entscheidung erleichtern kann.

Die Bibel, die Natur, dem Körper Gutes tun: All das kann das seelische Immunsystem stärken. So gehe ich zuversichtlich in den Sommer.

Was hilft Euch und Ihnen, sich gegen negative Gedanken, Ängste und Sorgen zu wappnen?

Petra Ottensmeyer

Ausbildung in ungewohntem Format

In Zeiten der Corona-Pandemie ist die TelefonSeelsorge gefragt. Viele Menschen rufen an oder nutzen die Onlineseelsorge, um sich zu entlasten oder Beratung zu suchen. Auch in der Coronazeit kann dieses Angebot durch den engagierten Einsatz vieler Ehrenamtlicher uneingeschränkt aufrechterhalten werden.
„Sehr verändert hat sich allerdings die Begleitung und Ausbildung der Ehrenamtlichen, die diesen Dienst tun“, erzählt Martin Dohmstreich, hauptamtlicher Mitarbeiter in der Telefonseelsorge.

Kürzlich haben neun Ehrenamtliche ihre Ausbildung für den Dienst in der TelefonSeelsorge beendet. Ende 2019 hatte die Gruppe begonnen, nach wenigen Wochen wurde das Lernen durch das Corona-Virus unterbrochen. „Bereits im April 2020“, so Petra Ottensmeyer, Leiterin der Dienststelle, „haben wir die Ausbildung auf ein Videoformat umgestellt.“ Bis auf wenige Wochen im Sommer wurde die Ausbildung so fortgeführt. Grundlagen der Gesprächsführung, die Auseinandersetzung mit wichtigen Themen wie Trauer oder der Umgang mit Krisen wurden in Videokonferenzen besprochen und geübt. Für die Auszubildenden war das zunächst ungewohnt, aber alle waren froh, dass es weiterging und die Ausbildung wie geplant beendet werden konnte.

Auch die neue Gruppe, die Anfang Mai beginnt, wird in diesem Format starten. Weil es viele Interessenten für diese wichtige Arbeit gibt, fiel der Entschluss, auch den Kennenlerntag über ein Videokonferenztool durchzuführen. „Das war ein Wagnis“, berichtet Petra Ottensmeyer, „aber es hat gut geklappt.“ Die Teilnehmenden haben sich kennengelernt und einen ersten Eindruck von der Arbeitsweise im Kurs gewinnen können.
Nähe durch Distanz – das kennen die Mitarbeitenden auch aus der Onlineseelsorge. Da sehen sie die Ratsuchenden nicht einmal, sondern lesen nur, was im Chat geschrieben wird. Trotz der räumlichen Entfernung entsteht häufig ein intensiver und emotionaler Kontakt. „Diese Art der Kommunikation kommt dem Schutzbedürfnis vieler Ratsuchender entgegen“, weiß Martin Dohmstreich. Die Erfahrungen aus der Beratung haben den Hauptamtlichen Mut gemacht, den Kennenlerntag für die neue Gruppe durchzuführen, obwohl ein Treffen vor Ort nicht möglich war. „Ich bin überrascht wie angenehm die Atmosphäre war, obwohl wir alle vor unseren PC’s gesessen haben“, schildert eine Teilnehmerin im Rückblick.

Trotz der guten Erfahrungen sind alle neugierig, wenn sie sich –  hoffentlich im Sommer – vor Ort in den Räumen der TelefonSeelsorge treffen können.

 

Foto: Nach Abschluss der Ausbildung erhalten alle Ehrenamtlichen einen eigenen Becher.

Hinaus aus der Enge

Sie haben sich zurückgezogen, die Türen verschlossen, drinnen im Haus gesessen. Haben sich nicht mehr raus gewagt. Und Angst hat sich ausgebreitet in ihnen.… so erzählt es die Bibel von den Freunden Jesu. Sie hatten miterleben müssen, wie Jesus gestorben ist. Ihre Welt, ihre Hoffnung ist zusammengebrochen. Und das hat ihnen Angst gemacht.

Zu Hause bleiben, die Türen zu machen, Kontakte reduzieren, ängstlich abwarten. Seit mehr als einem Jahr gehört das zu unserem Alltag. Die Pandemie bringt immer wieder neue Regelungen, sogar Ausgangsbeschränkungen. Die Virus-Mutanten sind besonders ansteckend und haben die Inzidenzzahlen in die Höhe getrieben. Fachleute befürchten erneut eine Überlastung auf den Intensivstationen. Die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Pandemie ist immer wieder enttäuscht worden. Noch müssen wir wohl einige Wochen oder Monate durchhalten. Die Welt hat sich verändert. Das kann Angst einjagen.

„Angst“ hat was mit „Enge“ zu tun. Deshalb kann man Angst auch körperlich spüren. Da zieht sich was zusammen in der Brust. Und dann kostet es viel Kraft, rechts und links zu schauen und anderes wahrzunehmen. So bestimmend wird diese eine Sache.

In der Geschichte aus der Bibel wird erzählt: Als die Freunde Jesu ängstlich zusammenhocken, steht mit einem Mal Jesus bei ihnen. Die verschlossenen Türen haben ihn nicht aufgehalten. „Friede sei mit euch!“, sagt er in die Runde.

Jesu Zuspruch und Dasein – das sind Kräfte gegen die Angst und gegen die Enge. Und auch davon erzählt die Geschichte aus der Bibel. Die Freunde Jesu spüren plötzlich wieder Freude. Und sie begreifen: Das Leben geht weiter! Jesus ist auferstanden. Wir sind nicht verlassen. Und das tragen sie dann in die Welt.

… so hat Ostern angefangen. Auch in diesem Jahr feiern wir das. Zum zweiten Mal unter erschwerten Bedingungen. Wir können nicht so zusammenkommen, wie wir es uns wünschen. Und doch – nicht alles ist abgesagt: Gottesdienste werden online gefeiert, Podcasts gesendet, die Ostergeschichte wird gelesen, Posaunen blasen „Christ ist erstanden“. Und Menschen denken aneinander, rufen sich an, schicken Video-Clips, bleiben verbunden. Auch die TelefonSeelsorge ist an den Feiertagen besetzt.

Die Oster-Hoffnung bahnt sich ihren Weg. Angst und Enge können überwunden werden.

Frohe Ostern!

TelefonSeelsorge Ostwestfalen

Sommer im Winter

„Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt“. Von Albert Camus stammt dieser Satz. Er hängt schon eine ganze Weile an der Pinwand in meinem Büro in der TelefonSeelsorge.

An einem kalten, grauen Märztag bleiben meine Gedanken daran hängen. Camus hat am eigenen Leib erfahren, was „Winter“ heißt. Im übertragenen Sinn. Als er noch ganz klein ist, stirbt sein Vater im ersten Weltkrieg. Die Mutter verstummt, er wächst in ärmlichen Verhältnissen in Algier auf. Später erkrankt er zweimal schwer an TB, kämpft gegen die Krankheit und wird geheilt. Er hat viel Elend gesehen und erlebt – auch im Zweiten Weltkrieg und während der Algerienkriege. Und doch lässt er sich nicht unterkriegen. Er engagiert sich im Widerstand. Und er bleibt auch widerständig in seinem Denken. Obwohl er so viel Schweres und Trauriges erlebt hat, ist er nicht bitter. Wird er nicht müde an das Gute im Menschen und das Schöne im Leben zu glauben. Und darüber zu schreiben. Albert Camus besteht darauf: Allen schlimmen Erfahrungen zum Trotz kann der Mensch gut sein, kann er sich entscheiden, ob er menschlich bleibt.

Der Mensch kann immer wieder neu anfangen, er muss nicht aufgeben, selbst wenn es mühsam ist, wie die buchstäbliche Sisyphusarbeit.

„Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.“ Der Sommer steht für das, was bunt und schön, warm und lebendig ist.

Und der unbesiegbare Sommer? Ja, da ist etwas in uns Menschen, – auch in mir – von dieser Widerstandsfähigkeit – ein unbändiger Lebenswille. Die Psychologen nennen das Resilienz, eine Fähigkeit die hilft, trotz widriger Umstände zu wachsen.

In diesen Wochen erinnert mich daran oft ohne Worte die Natur. Die ersten Frühlingsblüten, die nach dem langen Winter aufbrechen, ermutigen mich.

Steigerungen bei Telefonaten, deutlich mehr bei Mail und Chat

 

Die TelefonSeelsorge Deutschland legt die endgültigen Auswertungen ihrer Jahresstatistik 2020 vor. Es gab gegenüber 2019 erkennbare Verschiebungen, die sich mit der Pandemie-Situation erklären lassen. Auffällig ist die deutliche Steigerung der Beratungskontakte per Mail und Chat. Unter den benannten Themen ist Einsamkeit der Spitzenreiter. Auch beim Thema Suizidalität gab es – entgegen bisheriger Erkenntnisse – eine Steigerung.

„Die Endauswertung hat auch bei uns noch einmal für Überraschungen gesorgt“, sagt Ludger Storch. Der Diplom-Theologe ist Leiter der TelefonSeelsorge Bochum und zugleich Vorsitzender der Arbeitsgruppe Statistik. So liegt die Steigerung bei den eingegangenen Anrufen bei fünf, bei den tatsächlich geführten Beratungsgesprächen am Telefon sogar bei rund zehn Prozent.  Weitaus höher ist die Zunahme bei den Mailkontakten mit rund 28 Prozent. Spitzenreiter ist das Chat-Angebot, das eine Steigerung von über 70 Prozent erfuhr.

„Diese Steigerungen bei den Online-Angeboten sind auch deshalb interessant, weil wir hier überwiegend die Jüngeren erreichen“, erläutert Ludger Storch. „Dass die 15- bis 39-Jährigen 2020 vermehrt Unterstützung gesucht haben, deckt sich mit zuletzt immer wieder von Psychologinnen und Psychologen zu hörenden Aussagen, dass gerade die Jüngeren verstärkt unter den Restriktionen durch die Pandemie leiden.“

Steigerungen auch bei den besprochenen Themen

Spitzenreiter unter den von den Anrufenden angesprochenen Themen bleibt am Telefon die Einsamkeit, gefolgt von den Themen Krankheit und Depressionen. Bei Mail und Chat stehen die Themen Depressionen und Ängste an vorderster Stelle.

„Dass die Einsamkeit am Telefon den größten Raum einnimmt, ist nicht verwunderlich“, so Ludger Storch. „Über die Hälfte unserer Telefon-Kontakte ist 50 Jahre und älter, umfasst also einen großen Teil derjenigen, die sich durch die Pandemie in ihren Sozialkontakten besonders einschränken mussten.“

Im Vergleich zu 2019 erfuhr das Thema eine Steigerung um rund 27 Prozent. Aber auch bei den jüngeren Anrufenden wird Einsamkeit häufig genannt und zeigt sich damit als Thema, das jedes Alter betreffen kann.

Die Statistiken von TelefonSeelsorge zeigen, dass sich bei den Themen an sich nichts Wesentliches geändert hat – sieht man von der Nennung des Themas Corona ab, das durch die Pandemie erst entstanden ist. Verschärft hat sich aber für viele Menschen die Dringlichkeit ihrer Probleme und daraus resultierend ein erhöhter Beratungsbedarf und der Wunsch nach emotionaler Unterstützung.

Änderungen beim Thema Suizidalität

„Die deutlichste Veränderung gegenüber unseren Erkenntnissen im Jahresverlauf 2020 haben wir bei der Endauswertung zum Thema Suizidalität erlebt“, berichtet Ludger Storch. „Wir sind bisher davon ausgegangen, dass es keine signifikant höhere Zahl von Gesprächen mit Menschen gab, die von Suizidgedanken gequält werden oder durch die Suizidalität eines Menschen im eigenen Umfeld betroffen sind. Aus den endgültigen Zahlen ergibt sich aber, dass solche Gespräche um 17 Prozent zugenommen haben.“

Es lässt sich festhalten, dass TelefonSeelsorge 2020 für suizidgefährdete Menschen oder Menschen, die mit dem Thema in ihrem Umfeld konfrontiert sind, eine wichtige Anlaufstelle für Entlastung und Beistand darstellte. „Damit erfüllen wir eine unserer Hauptaufgaben“, so noch einmal Ludger Storch. „TelefonSeelsorge wurde als Suizidpräventions-Einrichtung gegründet. Das ist unser wichtigster Auftrag und wir sind froh über jeden, der in einer existenziellen Krise bei uns Unterstützung sucht. Und eines sei an dieser Stelle noch einmal betont: Wir können keinerlei statistische Aussagen zur Höhe der Suizidrate machen. Ob und wie viele der Menschen, die im Kontakt mit uns dieses Thema ansprechen, sich tatsächlich das Leben nehmen, wissen wir nicht.“

Hier geht es zu unseren aktuellen Statistiken auf der Bundesseite der TelefonSeelsorge.